Was kann ein Schimmelspürhund leisten?

BBW Nachrichten
Bundesverband der Brand- und Wasserschadebeseitiger e.V.
von Matthias Griem
Ausgabe 2011

„Was sagten Sie ist das für ein Hund?“ „Das ist ein Schimmelspürhund.“ Der Mann mir gegenüber, ein Umweltmediziner, schaut mich fragend an. Tatsächlich sind in der Fachwelt die bemerkenswerten Leistungen dieser speziellen vierbeinigen Messgeräte teilweise nicht bekannt oder nicht anerkannt. Ein Grund hierfür ist sicher die oft schlechte Verfügbarkeit eines Schimmelpilzspürhundes, denn es gibt derzeit nur etwas zehn ausgebildete Hunde in Deutschland.

Ein weiterer Grund mag die Skepsis gegenüber privatwirtschaftlich geführten Spürhunden und der damit verbunden Qualitätssicherung sein. Denn im Allgemeinen sind Spürhunde nur bei der Polizei und beim Zoll oder aus der Arbeit großer Organisationen bekannt (z.B. Rettungshunde des Roten Kreuzes). Naturgemäß haben diese Institutionen eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung. Denn wer hinterfragt schon die Leistung der Sprengstoffspürhunde auf einem Flughafen wenn nach einem Bombenalarm und anschließendem Spürhundeinsatz der fragliche Bereich wieder freigegeben wird.

Schimmelspürhund “Joker” im Einsatz

In diesem Zusammenhang ist es natürlich wichtig, vor de Auftragsvergabe für eine Schimmelspürhunduntersuchung zu prüfen, ob es sich bei dem jeweiligen Team (Hundeführer und Hund) um ein gut ausgebildetes und trainiertes Duo handelt.

Im Bundesverband Schimmelpilzsanierung e.V. (BSS) gibt es seit Kurzem eine Arbeitsgruppe, die sich mit der Erstellung von Qualitätsrichtlinien für die Schimmelspürhundeinsätze beschäftigt. Die Arbeitsgruppe wird vom Umweltbundesamt der Hundeführer und der Hunde sowie für das Training und die Einsätze erarbeiten.

Wichtig ist es sicherlich auch, dass mehr Aufklärung über die Arbeit des Schimmelpilzspürhundes betrieben wird. Denn der Hund ist weder eine Allzweckwaffe im Kampf gegen Schimmelpilze in Gebäuden, noch ist eine Spürhunduntersuchung eine Zirkusveranstaltung. Der Hund ist technisch betrachtet lediglich ein Anzeigegerät. Der Schimmelpilzspürhund ist trainiert auf die Gerüche der Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen (ca. 50 typische Schadpilze in Gebäuden). Hierbei handelt es sich um Gase, die sogenannten MVOC (mikrobiell verursachten organischen Verbindungen). Hat der Hund eine entsprechende Geruchsquelle identifiziert zeigt er diese Stelle an.

Einsatzfälle für den Schimmelpilzspürhund:

Der Spürhund kommt z.B. zum Einsatz, wenn bei der Begutachtung durch einen Sachverständigen kein Befall durch Schimmelpilze (und evtl. Bakterien) aufgedeckt werden konnte, es aber Verdachtsmomente für einen mikrobiellen Befall gibt:

  • Hohe Analysewerte bei Raumluftmessungen, Befall konnte nicht gefunden werden.
  • Gesundheitliche Auffälligkeiten der Gebäudenutzer ohne sichtbaren Befall.
  • Nach Wasserschäden (nach erfolgter Trocknung) an schwer zugänglichen Stellen
  • Gebäude mit vielen Hohlräumen wie Vertäfelungen, Wandverkleidungen, Trockenbauwänden usw.

Immer öfter wird auch eine Freimessung durch einen Schimmelspürhund gewünscht, wenn eine Immobilie gekauft werden soll.

Empfohlen wird die Spürhunduntersuchung auch vor Ablauf der Gewährleistungsfrist bei Neubauten und großen Sanierungen, denn mit Baufeuchte wird in vielen Fällen noch immer sehr nachlässig umgegangen, wodurch es auch im Neubau immer wieder zu Schimmelpilzschäden kommt.

Es ist ebenfalls festzustellen, dass der Einsatz des Schimmelspürhundes oft sinnvoller ist als eine klassische Raumluftmessung. Für eine klassische Raumluftmessung sind die folgenden Messungen erforderlich:

  • Luftkeimmessung in jedem verdächtigen Raum (Nachweise lebendiger, anzüchtbarer Schimmelpilzsporen
  • Partikelmessung (mikroskopischer Nachweise von Schimmelpilzbestandteilen, auch „totes“ Material).
  • Als Referenzmessung ist eine Luftkeimmessung der Außenluft erforderlich.

Kostenmäßig ist hier die Grenze von € 500,- schnell überschritten und es ist mit einer Fehlerquote im zweistelligen Prozentbereich zu rechnen. Hier hat der Spürhund deutliche Vorteile, denn er zeigt nicht nur an ob ein Befall  vorhanden ist, sondern auch wo sich der Befall befindet. Außerdem liegt das Ergebnis der Untersuchung sofort vor. Kostenmäßig liegt die Untersuchung mit einem Spürhund – z.B. für ein Einfamilienhaus – bei netto € 400,- ist also (ohne Fahrtkosten) deutlich günstiger als die Raumluftmessung.

Matthias Griem, TÜV geprüfter Sachverständiger für Schimmelpilz- und Feuchteschäden in Gebäuden mit Schimmelpilzspürhund “Joker” aus Hamburg 


Ablauf eines Schimmelspürhundeinsatzes

Bevor der Schimmelspürhund in das zu untersuchende Gebäude geführt wird, muss zunächst eine Begehung durch den Hundeführer durchgeführt werden. Hier wird darauf geachtet, dass die zu untersuchenden Räume für den Hund frei zugänglich sind und das Tier verletzungsfrei an alle wichtigen Bauteile herankommt. Weiterhin wird gepürft, ib mögliche Ablenkungsfaktoren aus dem Untersuchungsbereich entfernt wurden (Abfälle, Speisereste, Haustiere, Hundespielzeuge etc.). Sind diese Vorarbeiten inkl. Guter Durchlüftung abgeschlossen, wird der Hund durch die entsprechenden Räume geführt. Hauptaufgabe des Hundeführers während der eigentlichen Suche ist es darauf zu achten, dass der Hund zuverlässig und genau alle gewünschten Stellen untersucht. Stellen die der Hund anzeigt, werden zunächst nur markiert.

Je nach Größe des Objektes wird am Ende der Hundesuche oder auch zwischendurch eine mitgebrachte Schimmelpilzprobe versteckt damit der Spürhund auf jeden Fall sein Erfolgserlebnis bekommt. Bei großen Objekten kann es nötig sein, dass der Hund Pausen einlegen muss. Der geübte Hundeführer erkennt sofort, wenn sein Hund unkonzentriert oder müde wird.

Ist die Untersuchung durch den Hund abgeschlossen, werden die vom Spürhund angezeigten Stellen vom Sachverständigen eingehend untersucht und bei Bedarf auch beprobt.

Die Interpretation der vom Schimmelspürhund angezeigten Stellen ist ein sehr wichtiger Bestandteil der Gesamtuntersuchung. Auch der Sachverständige, der die Nachuntersuchung ausführt, muss mit der Spürhundarbeit vertraut sein, denn sonst kann es zu überflüssigen Beprobungen oder falschen Einschätzungen kommen. Es kommt durch den Hund nämlich auch zu unspezifischen Anzeigen, dies ist normal und muss durch den Sachverständigen richtig eingeordnet werden. So zeigt der Hund z.B. auch teilweise an den folgenden Stellen an: 

  • Unterhalb des Kühlschranks (eventuell verschüttete Lebensmittel)
  • Am Flusensieb der Waschmaschine
  • Unterhalb eines Heizkörpers im Bereich der Entlüftungsschraube
  • Blumentopf
  • Toilettenspülkasten, Abflussrohr

Kürzlich wurde eine Untersuchung mit einem Schimmelspürhund in einem Einfamilienhaus durchgeführt. Im Schlafzimmer hat der Hund an dem freistehenden Kleiderschrank deutlich angezeigt. Bei der späteren Nachuntersuchung wurde dann festgestellt, dass unten in dem Kleiderschrank ein noch etwas feuchter Badeanzug abgelegt war. Textilien fangen schon nach wenigen Stunden an muffig zu riechen, insbesondere wenn sie zusammengeknüllt wurden und daher nicht trocknen können. Der Geruch entsteht durch die mikrobielle Aktivität. Der Schimmelspürhund zeigt dies ordnungsgemäß an. Die Beispiele zeigen, dass die Anzeige eines Schimmelspürhundes nicht gleich einen großen Befall bedeutet. Wichtig ist die fachlich richtige Beurteilung der angezeigten Stellen durch den Sachverständigen.

Fazit:

  • Der Schimmelpilzspürhund ist eine wertvolle Ergänzung zu den Standardmessverfahren
  • Der Spürhund ist technisch betrachtet ein sehr zuverlässiges Anzeigegerät
  • Der gut ausgebildete, gut trainierte und gut geführte Schimmelpilzspürhund ist unverzichtbar

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